Paul Gerhardt: Sein Leben

Der Lebenslauf von Paul Gerhardt   

1607-1622 Gräfenhainichen


Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainichen als zweites von vier Kindern in eine Gastwirtsfamilie geboren.Er besuchte die Stadtschule, in der er sich Grundkenntnisse in der lateinischen Sprache und im Chorgesang erwarb. 
 

1622-1627 Fürstenschule in Grimma

In den Folgen des Dreißigjährigen Krieges stirbt 1619 sein Vater, 1621 die Mutter.Am 4. April 1622 wurde Paul Gerhardt, wie schon sein Bruder zwei Jahre zuvor, in die Fürstenschule St. Augustin in Grimma aufgenommen.

Schülern wurde hier vor allem Wissen in der Religion und den alten Sprachen beigebracht. Paul zeichnete sich durch Fleiß und Gehorsam aus, drei Tage nach seiner erfolgreichen Prüfung verließ Gerhardt am 15. Dezember 1627 die Fürstenschule.

 

1628-1642 Theologiestudium in Wittenberg

Sein weiterer Weg führte ihn nach Wittenberg.Dort widmete er sich ab dem 2. Januar 1628 dem Studium der Theologie an der lutherischen Universität Wittenberg. In Wittenberg fand er bedeutende Lehrer der Lutherischen Orthodoxie. Aufgrund von Geldsorgen nahm er beim Archiediakon der Wittenberger Stadtkirche eine Anstellung als Hauslehrer an und zog in dessen Haus ein. Während seiner Zeit in Wittenberg musste Gerhardt weitere herbe Rückschläge einstecken. Am 11. April 1637 wurde seine nahe gelegene Heimatstadt von schwedischen Soldaten vollständig zerstört. Sein Bruder Christian starb am 7. November 1637. Die Erfahrungen in Wittenberg wirkten auf Gerhardt prägend. Am 26. April 1642 verfasste er hier sein erstes Gelegenheitsgedicht anlässlich einer Feier für das bestandene Magisterexamen des Sohnes eines Hamburger Professors.



1643-1651 Hauslehrer in Berlin


Um 1643 ging Gerhardt nach Berlin. Auch Berlin war durch den Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen; die Bevölkerungszahl schrumpfte von 12.000 vor dem Krieg auf 5.000 Einwohner bei Kriegsende. Hier fand Gerhardt bei dem Kammergerichtsrat Andreas Berthold und seiner Frau Elisabeth eine Anstellung als Hauslehrer.


Gerhardt verfasste unter den Eindrücken der Kriegsereignisse und ihrer Folgen weitere Liedtexte und entwickelte sich dabei auch theologisch. Er beschränkte sich nicht auf die Reflexion seiner Eindrücke. In seinen Liedern wollte er seinen Zeitgenossen neuen Mut und Hoffnung geben. Seinen seelsorgerisch geistlichen Beitrag leistete Gerhardt vor allem an der Berliner Nikolaikirche. Im Gesangsbuch der Kirche von 1647 steuerte Gerhardt bereits 18 Lieder bei. Bis zur 5. Auflage 1653 erhöhte sich ihre Zahl auf 82. Über die Freundschaft mit dem Propst der Kirche, Petrus Vehr, ebnete sich ihm später den Weg zum Pfarramt nach Mittenwalde. 

1651-1657 Probst in Mittenwalde


Dort suchte man 1651 nach dem Tod des langjährigen Mittenwalder Pfarrers einen Ersatz und wandte sich an das berliner Konsistorium. Dieses empfahl Paul Gerhardt,am 30. November wurde er in sein Amt in Mittenwalde eingeführt. Wie in seinen Liedern verdeutlichte Gerhardt in seinen Predigten die theologischen Inhalte und Einzelheiten durch greifbare und eingängige Beispiele. Während dieser Zeit verfasste er unter anderem das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“ welches heute zum Weltkulturerbe gerechnet wird. Die Beziehungen zur Berliner Gemeinde erhielt Gerhard aufrecht. Am 11. Februar 1655 heiratete er Anna Maria (* 19. Mai 1622), die Tochter von Andreas Berthold. Am 19. Mai 1656 bekam das Paar eine Tochter, Maria Elisabeth, die bereits ein halbes Jahr später am 28. Januar 1657 starb. Dem Paar wurden noch vier weitere Kinder geboren, von denen drei, Anna Catharina, Andreas Christian und Andreas, aber bald verstarben; als einziger überlebte der Sohn Paul Friedrich seine Eltern.

 

Zweite Berliner Zeit  1657-1669
Im Mai 1657 wurde Gerhardt mitgeteilt, dass er zum zweiten Diakon an der Berliner Nikolaikirche gewählt worden war. Nachdem er am 4. Juni der Wahl zugestimmt hatte, nahm er am 22. Juli mit der Taufe eines Kindes seine erste Amtshandlung vor. Mit seiner Frau bewohnte er in dieser Zeit eine Wohnung in der Stralauer Straße 38.

Durch einen Religionswechsel des Kurfürsten kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den Lutheranern, unter ihnen Paul Gerhardt. Sie sollten alle ein Toleranzedikt unterschreiben, doch das war für Paul Gerhardt nicht die wahre Religion. Er und viele andere verweigerten die Unterschrift.

Daraufhin wurde er aus seinem Amt entlassen. Durch Proteste und Unterschriftensammlungen sollte er wieder in sein Amt eingesetzt werden doch er lehnte ab. Darauf verfügte der Kurfürst am 4. Februar 1667 die endgültige Entlassung Gerhardts, der nun ohne Einkommen war.

Bereits 1666 hatte er begonnen kleine Hefte anzulegen, die bis zum Jahr 1667 gedruckt wurden und jeweils 12 Arbeiten von Gerhardt enthielten. Diese wurden in den 1667 erschienen „Geistlichen Andachten“ als erste Gesamtausgabe seiner Liedertexte zusammengefasst. Die Ausgabe wurde in Berlin und Frankfurt/Oder gedruckt. Sie enthält 10 Dutzend, also 120 Lieder von Gerhardt, darunter 26 Neuerscheinungen. In jene Zeit fiel auch der Tod seiner Frau Anna Maria, die am 5. März starb.

 

Lübben 1669-1676

Nachdem der alte Lübbener Pfarrer gestorben war suchte der Rat von Lübben nach einer geeigneten Person. Ihre Entscheidung viel auf  Paul Gerhardt. Nach einer Gastpredigt folgte er dem Ruf  aus dem Spreewald. Daraufhin wurde er am 29. Oktober 1668 durch den Bürgermeister und den Rat in das Amt des Archidiakons an der damaligen Nikolaikirche berufen. Daraufhin wurde er am 29. Oktober 1668 durch den Bürgermeister und den Rat in das Amt des Archidiakons an der damaligen Nikolaikirche berufen.Sein Amtsantritt verzögerte sich, weil sein Sohn erkrankte und zudem die angebotene Unterkunft viel zu klein für den Hausstand Gerhardts war. Daher wurde durch den Rat zunächst die Wohnung ausgebaut und Gerhardt zog erst im Juni 1669 nach Lübben, wo er am 16. Juni feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Hier verbrachte er seine letzten Lebensjahre in bescheidenen Verhältnissen. Dennoch hat er stets seine geistlich-seelsorgische Arbeit erledigt und die organisatorischen Kirchenangelegenheiten geklärt.Gerhardt starb in seinem 70. Lebensjahr am 27. Mai 1676 in seiner Lübbener Pfarrwohnung. Er wurde im Chorraum nahe dem Altar seiner letzten Wirkungsstätte beigesetzt, die seit 1930 seinen Namen trägt. Die Beisetzung erfolgte jedoch erst am 7. Juni 1676.Ihm zu Ehren erhielt die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben ein Gedenkgemälde. Dieses ist von einem unbekannten Maler um 1700 geschaffen worden und mit einem lateinischen Epigramm von Gottlieb Wernsdorf dem Älteren versehen.